Achtsamkeit, Wohlbefinden, Zenpraxis
Zu den gebräuchlichen Methoden der Zen-Praxis gehören Zazen (Sitzmeditation), Kinhin (Gehmeditation), Rezitation (Textlesungen), Samu (konzentriertes Tätigsein) und das Arbeiten mit Koans. Besonders intensiv werden diese Methoden während mehrtägiger Übungsperioden oder Klausuren (Sesshin bzw. Retreat) geübt. Der Zen-Schüler muss zumindest das Zazen in sein alltägliches Leben integrieren, denn Zen ist seinem Wesen nach immer nur Praxis.
In dieser Tradition der Zen Praxis wurde Ende der Siebziger Jahre in Massachussetts die “Stress Reduction Clinic” gegründet. Jon Kabat Zinn verknüpfte unterschiedliche Techniken aus der Zen-Tradition miteinander zu einem Gesamtkonzept von Übungen, das er MBSR taufte, „Mindfulness Based Stress Reduction”. Ursprünglich wurden dort Menschen, die unter chronischen körperlichen Erkrankungen litten, mit den unterschiedlichen Übungen der Achtsamkeitsmeditation vertraut gemacht, zur Verbesserung des Wohlbefindens, in dieser schwer belastenden Situation.
Auch zur Vorbeugung von stressbedingten Erkrankungen und Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Lebensführung, werden diese Meditationen heute eingesetzt, im stationären, wie im ambulanten Bereich. In sozialen Institutionen, in einigen menschenfreundlichen Unternehmen wird heute Achtsamkeit praktiziert und gelehrt.
Und natürlich basiert mein pädagogisches Konzept aktivlernen darauf. Zum Wohlbefinden für uns alle, hoffe ich auf die zunehmende Verbreitung dieser Praxis. Vor allem für Schulen und andere pädagogischen Institutionen, wünsche ich mir dies und arbeite daran.
Ich finde, Einrichtungen, denen lernwillige Menschen anvertraut sind, müssen immerzu liebevoll und klar das Bewußtsein für den Lebensfluss, die Lernlust und den Eigensinn im Inneren eines jeden Menschen in der Gemeinschaft fördern.
Nachdem ich selbst, Dank meiner Mutter, mit Yoga und autogenem Training aufgewachsen bin, fand in mir schon früh eine aktive Auseinandersetzung mit diesen Techniken statt. Manches gefiel mir damals gut. Anderes erlebte ich als Kind eher befremdlich.
Viel darüber zu erfahren und mit meiner Mutter, deren Offenheit und Liebe mich begleitet hat, über Ansichten dazu, zu streiten, war toll. Für mich, als Jugendliche, die ich auch viel allein war, waren Achtsamkeitsmeditationen ein natürlicher Bestandteil meines Alltags.
Mir gefiel es immer schon, Schülerin zu sein. Mir gefällt es auch heute noch, zu sagen: “Ich lerne noch und ich übe gern und ich erfahre gern Neues” Allerdings, diejenigen, die sich als meine “Lehrer” bezeichneten, mochte ich meistens nicht - auch heute immer noch nicht. Im Zen fand ich dann die Idee besser, dass es nur einen Inneren Lehrer gibt. Bei mir ist es eine Innere Lehrerin
Und genau der wollte ich folgen.
Es gelang, bis zu dem Punkt, an dem ich als junge Mutter mit Beruf im Deutschland der 90ger Jahre feststellte, dass mir die Praxis der Achtsamkeit immer mehr abhanden kam. In der guten alten Tradition der Frauen in meiner Familie, begann ich mich, mit einem Zuvielzurgleichenzeit und einem dauerhaft “schlechten” Gewissen, gnadenlos zu verzetteln. In meiner flüchtigen Selbstwahrnehmung sah ich die Gefahr, mich Selbst zu verlieren. Was natürlich niemals passieren kann. Es schien mir jedoch wirklich so zu sein. Hier und da stolperte ich,…wurde wieder achtsamer, für das Hier und Jetzt…
Die erste Achtsamkeitsmeditation nach meinem dreijährigen Kinder-Haus-Berufs-Ehe-Chaos lautete:
Wo stehe ich gerade?
3 Minuten - - - Stille - - - Atmen - - -
Und meine innere Lehrerin antwortete mir: “Du stehst gerade mit einem Kind auf dem Arm, dem anderen Kind an der Hand, in der Haustür. Vor Dir liegt ein Gehweg, der führt Dich links zum Friedhof, rechts zum Auto …”
Ich habe mich ins Auto gesetzt, bin nach Köln gefahren, habe meinem lieben Hanns die Kinder in die Hand gedrückt und habe zwei der Therapiestunden genommen, die, Glückes Geschick, zu meiner Ausbildung in psychoanalytisch-systemischer Beratung und Therapie gehörten….
Zeit für mich. Wunderbar! Zeit zum Üben des achtsamen Umganges mit meinem Leben. Danke. Meine Dankbarkeit kehrte wieder und ich fand mich inmitten der Liebe, dem Leben geborgen. Schritt für Schritt holte ich mir die Achtsamkeit in mein Alltagsleben zurück.
Vor vier Jahren habe ich mir eine eindrucksvolle Fortbildungsveranstaltung von Jon Kabat Zinn im Klinikum Essen gegönnt. Diese zeigte sehr anschaulich, dass auch Herr Kabat Zinn dieses Konzept selbst lebt.
Und so konnte mit ihm das Lernen durch Beobachtung und eigentätige Aneignung gut stattfinden. Wer, wie ich, an der regelmäßigen Praxis von Achtsamkeitsmeditationen interessiert ist und noch keinen passenden Yogakurs gefunden hat, der ohne “Klimbim” und “Spökes” auskommt, ..dem sei, zum regelmäßigen Üben, ein kleines Buch über die Achtsamkeitsmeditationen mit CD, von Jon Kabat Zinn, gut und gerne von mir empfohlen, da diese von einer angenehmen Frauenstimme anleitet wird.
Jon Kabat Zinn und Ulrike Kesper-Grossmann, Stressbewältigung durch die Praxis der Achtsamkeit, Buch und CD,
ISBN:3-924195-57-9
Als Kind hat mich nämlich beim autogenen Training vor allem die Stimme von Frau Doktor Gisela Eberlein: “Wir sind rrrrrrrr…uhigkkk…und gelassennnnn….”, Pardon, sehr beunruhigt, um nicht zu sagen “aufgeregt!”
Ich hoffe, ich habe Sie angeregt:-) und wünsche Ihnen allen einen wundervollen Tag,
Ihre Manuela Dillenburg-Lux