Fachbuch - Gestalttherapie

  

Gestalttherapie
Hartmann-Kottek, Lotte
Mit einem Beitrag von U. Strümpfel,
2004, XII, 393 S. 39 Abb., Geb.
ISBN: 3-540-20163-7

Dies ist die erweiterte 2. Auflage (2008) mit weiteren Co-Autoren.

Die Gestalttherapie -  in der Zeit als ich sie noch an der Uni studiert habe, galt sie als das “Enfant terrible” unter den Therapieansätzen. Die verantwortungsbewußten Wissenschaftler haben sich seitdem über zwanzig Jahre lang kritisch reflexiv weiterentwickelt. Von daher sind die Methoden der Gestalttherapie lebendiger denn je. Anwendungsbereiche sind vielfältig und sinngebend.

Dieses Buch lohnt die Lektüre. Das gilt für alle Interessierten, besonders für die Damen und Herren “Elternberater” aus folgenden Gründen:

Es ist eingebettet in “10 Quintologe” . Das sind Kommentare,

à la Reflekting Team, in denen Therapeuten/Interessierte sich aus fünf  Perspektiven zum Teil humorvoll, mit Lust und Laune(n) sich austauschen, ihre Wahrnehmungen schildern. (Das erinnert mich sehr an das letzte Gruppenkolloquium, bei dem die Umsetzung des Gelernten in Form eines Rollenspiels in der “Beratungs -Cocktail - Bar” erfolgte.) Im Buch wird auf diese Weise in klarer Gestalt die psychotherapeutische Schule der Gestalttherapie kompakt, fundiert erläutert und eingeführt. 

Hier gelingt der Versuch das komplexe Gefüge zwischenpersönlicher Kommunikation nachvollziehbar rüberzubringen.

Folgende Themen werden auf den 512 Seiten kompakt behandelt:

1.
Was ist Gestalttherapie (und was ist Gestalttherapie nicht)
Darunter auch: Abgrenzungen und Schnittmengen mit anderen psychotherapeutischen Verfahren.

2.
Geschichte / Zeit- und Ideengeschichte

3.
Gestaltpsychologie (Geschichte, Gestalt-Phänomene, Innen- und Außenwelt, Gestalt als Feld…)

4.
Theoretische Grundlagen (Naturwissenschaftlicher Hintergrund, Philosophie, Bewusstsein, Wachstum, Kontakt- & Beziehungsdimension, Persönlichkeitsmodell.

5.
Krankheits- und Störungslehre: Gesundheit und Krankheit, phänomenologischer Zugang, wachstumsorientierter Klassifikationsvorschlag;
Gestalttherapeutische Störungskategorien (etc.)

6.
Methodik der Gestalttherapie (bei Standardbelastbarkeit):
z.B. Arbeit mit Träumen, Körperarbeit (insbesondere bei psychosomatischen Störungsbildern), Umgang mit Zeit und Raum, “Hier und Jetzt”, Regression und Projektion, Arbeit mit Verhaltensmustern.

7.
Die therapeutische Beziehung und deren fünf Ebenen.

8.
Spezielle Behandlungsmethodik: Arbeit mit psychosenahen, strukturlabilen, süchtigen / abhängigen Menschen, gestalttherapeutische Traumatherapie, Persönlichkeitsstörungen.

9.
Setting-Varianten und Anwendungsbereiche: Einzel-, Paar-, Gruppentherapie, Familienstellen, Kinder und Jugendliche, mit älteren Menschen, in der Organisationsberatung und Supervision.

10.
Verbreitung, Ausbildung und berufspolitische Situation.

11.
Forschungsstand der Gestalttherapie.

12.
Gestalttherapie weltweit / Ausbildungsstätten, Adressen Publikationen etc.

Das Buch ist ein Grundlagenwerk, zu jedem Thema gibt es weiterführende Literatur. Es ist gut verständlich, manchmal auf hohem (adäquatem) Niveau geschrieben, auf jeden Fall lesenswert, gut strukturiert.

Der “Erfolg” der Gestalttherapie liegt darin, dass gestalttherapeutische Elemente (nicht nur) in den zugelassenen psychotherapeutischen Verfahren (Analyse, Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie) in großer Fülle zu finden sind.

Ihre Vielseitigkeit ist ihr Erfolg und ihr Problem (Immer noch Zulassung als Verfahren für die Abrechnung über Krankenkassen) zugleich.

Dieses Buch liefert mehr als nur einen Einblick, warum dies so ist.

An mangelnden Forschungsergebnissen kann es kaum liegen. Hier wird getan, was unter derzeit finanziellen Gesichtspunkten möglich ist.

Sehr empfehlenswert!

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