►Von Ginkgo Bäumen und Elefanten

Was immer als kraftspendend und lebensverlängernd verehrt wird, ist es dann auch. Wirklich ist, was wirkt. Gelobt sei, was stark macht.

Mein Vater schätzt den Ginkgo Baum hoch, wegen seiner Form und Struktur und vor allem der Gestalt und Beschaffenheit seiner Blätter. In China wird der Ginkgo Baum als kraftspendend und lebensverlängernd geehrt. Unter dem Tempelbaum werden die Wünsche erbeten. In vielen japanischen und chinesischen Mythen und Geschichten spiegelt sich die Kraft des menschlichen Glaubens, der unter dem Ginkgo Baum entfaltet wird, wieder. In dieser Weise funktioniert der Ginkgo Baum. Und die Erkenntnis dieser Tatsache wird seit tausenden von Jahren in der ostasiatischen Tradition bewusst von Generation zu Generation weitervermittelt. Der Ginkgo steht in Japan unter Naturschutz und ist geheiligt. Diese enorm großen Bäume, die die Ortschaften mitunter überragen, sind im allerbesten Sinne beeindruckend und wirken als ansteckende Heilsamkeit. Dass es Bäume mit einem Alter von 1000 bis 2000 Jahren gibt, unterstützt die Wirkkraft auf uns Menschen - wenn wir uns denn von der Natur inspirieren lassen wollen. Eine der Lieblingsfloskeln meines Vaters ist übrigens: „man muss dran glauben“. Vor dem Hintergrund der heutigen Situation kann ich diese Floskel ganz anders verstehen. Früher interpretierte ich solche Redewendungen meines Vaters als Zynismus oder Ironie. Heute finde ich das Wahre darin. Ersetze ich das Wort „glauben“, was in unserer Sprachkultur mittlerweile den Stellenwert von „Dummheit“ hat, einmal durch das Wort „mutmaßen“, was weitaus weniger besetzt ist. Meine Erfahrung ist, dass so manches tatsächlich eben dann für mich im besten Sinne funktioniert, wenn ich daran glaube. Und Kraft in mir, in Verbindung mit der Natur, das ist etwas, woran ich leicht mutmaßen und zugleich seine Funktionalität gut prüfen kann. Das wirkt dann sehr inspirierend auf mich und genau das will ich erreichen - Inspiration!

Mich persönlich inspirieren und beflügeln besonders die zweigeteilte Form des Blattes, was die Ying -Yang Komposition eines jeden lebendigen Organismus repräsentiert und diese lederartige Beschaffenheit. Wenn man die Augen schließt, während man mit den Fingern ein solches  Blatt erkundet, ist das sofort faszinierend.

Wussten Sie, dass der Tempelbaum  in Hiroshima bei der Atombombenexplosion 1945 in Flammen aufging, aber im selben Jahr wieder austrieb und weiterlebte?

Das haben Sie nicht gewusst, oder?

Das ist ein Teil meiner persönlichen Gedanken zum Ginkgo Baum, wie ich sie mir am heutigen vierten Advent 2013 so mache. Víelleicht reise ich eines Tages mal dorthin, wo so ein Baumriese steht und sammle dort weitere Inspirationen. Wer weiss? Áber bis dahin lasse ich mich hier vor Ort von meinen Mitmenschen, deren Sammelsorien, deren Kunst und der mich umgebenden Natur begeistern.

Dass Goethe den Ginkgobaum für sich fand, ..finde ich auch interessant…

Das hier folgende Gedicht ist 1815 von Johann Wolfgang von Goethe verfasst:

Ginkgo Biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn.
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin ?

Interessant. Was mag er sich dabei gedacht haben?

 

Ich wünsche allen einen schönen vierten Advent 2013, Ihre Manuela Dillenburg-Lux

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