►PPPartizipation

Mangelnde emotionale und soziale Kompetenz ist ein Problem für das Miteinander und eine schwierige Arbeitsaufgabe für alle, die sich ihrer mitmenschlichen Verantwortung bewusst sind.

Nicht nur Kindern fehlt da und dort die  Fähigkeit, Signale  so zu setzen, dass sie im Verständnis der Anderen gedeutet werden können.

Wo ist der fruchtbare Boden, sich mitzuteilen? Wo werden ihre Bedürfnisse und Anliegen von den Anderen wertschätzend wahrgenommen?

Wie bei einem Rennwagen, dessen Reifen durchdrehen, wenn er aufgebockt ist…dieses treffende Bild brachte neulich jemand in einer Sitzung…braucht gute Kommunikation einen fruchtbaren Untergrund….sonst drehen die Räder durch - laufen alle Versuche jedem konstruktiven Gespräch zuwider, wirken unwillkürlich zerstörerisch.

Eine vertrauensstiftende Atmosphäre, die das Verantwortungsbewusstsein der Menschen in den Blick bringt und fördert, kann ein solcher fruchtbarer Boden sein.

Friedensstiftend sind solche erwachsenen Menschen, die in schwieriger Lage wieder bereit sind, zwischen den Zeilen zu lesen. Solche, die immer noch gegenwärtig und bereit sind, das ganze Miteinander wahrzunehmen. Menschen, die willens sind, aufrichtig dafür zu stehen, das wahrzunehmen und zu kommunizieren, was bei aller Unterschiedlichkeit der Personen,  alle miteinander verbindet - unsere Unvollkommenheit, unsere Unsicherheit und unsere Hingabe.

Für manchen bedeutet das “Runter vom Sockel”, um bei diesem Bild zu bleiben, erst einmal einzusehen,  es gibt kein Richtig und kein Falsch, die Erkenntnis, dass jeder seine Sicht der Wirklichkeit konstruiert und jeder dabei in jeder Situation sein Bestes gibt.

Hilfreich ist,  Vertrauen in die Gemeinschaft zu stiften und auf dem aufzubauen, was  besonders hier und jetzt im Miteinander funktioniert, weg von der üblichen Kritik am Verhalten einzelner.

Konsens bedeutet nicht, dass eine  Einigung durch emotionale Erpressung oder Nötigung erzielt wird. Konsens wird miteinander gefunden. Jeder wird mitgenommen, auf dem Weg. Über die Förderung von Einsichten und Ansichten und Umsichten ist Konsens das Abbild von Potentialentfaltung einer Gemeinschaft wertvoller Menschen. Konsens ist die  lebendige  Wahrnehmung und Kommunikation der Gemeinsamkeit bei allen Unterschieden und Dissonanzen. Wir sind uns einig, das wir uns uneinig sind. Und für die Sache finden wir einen Konsens.

Die gemeinsame Sache wird zum Gegenstand der Verhandlung.

Es gibt auch zunehmend mehr Erwachsene, die unfähig sind, sich in einer Form mitzuteilen, die dann im Verständnis der Anderen andocken kann und so nachvollzogen werden kann, dass dieser gute Austausch und gute Kontakt miteinander so funktioniert, dass alle gewinnen. Das ist Verhaltensoriginalität und immer auch menschliche Genialität,. Denn es sind kreative Notlösungen. Wertschätzung braucht vor allem mehr Zeit und Raum für das Leben  und damit für das Sich-Selbst und Einander Er-leben.

Wer noch einigermaßen sensibel ist, dem geht auf, dass wir in einer vollkommen überdrehten Welt leben.  Einer Lebensumwelt, die immer schneller und noch lebensfeindlicher zu werden scheint. Damit wird es für diejenigen unter uns, die sich noch fühlen können, allmählich zu eng. 

Und Kinder bringen hier noch die ursprüngliche Kompetenz der Selbstbezogenheit mit, um zu bemerken, dass uns in unserer Umgebung bei allem, was sonst so an Unsinnigem vorhanden ist, etwas Lebenswichtiges fehlt.

Dieses Außenseitertum der Verhaltensauffälligen ist  also unfreiwillig. Es wird befördert, durch ihre die fehlende Fähigkeit, dem Tempo und den vertrauten Formen der Anderen in einer ansprechenden Weise zu begegnen und in einer Form beim Gesprächspartner auf sein derzeitiges Interesse zu treffen.

 Wer ist hier daneben?

Das Spektrum von allzu schüchternem, zögerlichem Verhalten, bis hin zu übermäßig forderndem, wütendem und zu schnell vorpreschendem Verhalten, ist sowohl bei Kindern, als auch bei Erwachsenen zu beobachten.

Jetzt kommt die politische Bildung ins Spiel : Partizipation jetzt, als Wiege der Demokratie, schon in Krippe und im Kindergarten fördern. Ja, unbedingt!

Aber STOP! Erst einmal langsamer machen!

Wie entsteht die Fähigkeit zur Anteilnahme? Was begünstigt eine Fähigkeit zur aktiven Beteiligung? Wie kann die Mitwirkung, das Beteiligt -Sein, einem Menschen bewusst werden? Wie kann miteinander und von allen gelernt werden, aktiv wahrzunehmen?

Darum geht es in der Begrifflichkeit der Partizipation.

Politische Bildung ist auch eine Erziehung zur Höflichkeit und des Anstandes. Aber, dem allen voraus, geht erst einmal eine bewusste Auseinandersetzung mit der Frage: wie funktioniert denn die Erziehung selbst? Was befördert die Erziehung nach heutigen Standards, denn an sozialer Ungelenkigkeit und sozialen Unfähigkeiten? Wie ist denn eine Erziehung wirklich, die in den hiesigen Institutionen immer noch auf Druck und Angst als probates Mittel setzt?

Soziale Angst fördert Verhaltensoriginalität und damit Verhaltensauffälligkeit. Und Zeitdruck und Leistungsdruck und Zielorientierung sind damit ein Teufelskreis.

Es ist längst an der Zeit einzusehen, dass, wer sachunmittelbare Demokratie fordert, mal innehalten und sich mal an der eigenen Nase packen muss:  um überhaupt erst mal selbst zu erkennen, was er mit den Repressalien, die er anbietet, im eigenen Laden anrichtet. Und jetzt sollen die Kinder, brav und ordentlich in der großen Runde sich selbst mitteilen. Bevor ihnen vorab genügend unkontrollierte Zeit und der Raum vergönnt ist, sich selbst auch in ihrer Ganzheit wahrzunehmen, ….!?!

Und heute können schon die Erwachsenen sich kaum noch aktiv in angemessener Weise einbringen. Es gibt so viele, die einen Verlust der sozialen Kompetenz zeigen, eine Verhaltensoriginalität an den Tag legen, die vor dem Hintergrund unserer gesellschaftlichen Ansprüche, dann jedoch nur als “Verhaltensauffälligkeit” und Individualproblem gedeutet wird.  Und einige von den Verhaltensoriginellen erziehen selbst Kinder. Und viele von denen, machen das sogar mit einem Beamtengehalt.

Da ist offenbar ein Notstand in unserer Gesellschaft und zwar in vielen Zusammenhängen und Kontexten. Ein Notstand, den nur wenige verstehbar kommunizieren können. Es braucht eben auch einen fruchtbaren Boden.

Du kannst nur das gut kommunizieren, was Du gut wahrgenommen hast. Und dazu brauchst du Zeit und Raum. Bist Du zu nah dran, ist nicht gut. Bist Du zu weit weg, ist nicht gut. Präsenz ist wichtig. Aktive Teilnahme braucht auch einen großen Teil Gelassenheit und vor allem Feingefühl und Mitgefühl. Dem Anderen auch seine Wertvorstellung lassen, vom eigenen “Richtig und Falsch” für den Moment des Miteinanders ablassen.

Mut und Vertrauen in sich selbst, in die Gemeinschaft, in die Welt setzen und damit eine ansteckende Gesundheit befördern. Jetzt.

Mögen wir dafür allzeit fruchtbaren Boden finden.

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