Archiv der Kategorie ‘BRAUCHTUMSPFLEGE‘

►Sprung in der Schüssel

Dienstag, den 11. November 2014

Achtung: schöne Geschichte:

 

Es war einmal eine alte chinesische Frau…

-  Kommentar: es sind anscheinend immer dieser Chinese und seine Frau-

…jedenfalls hatte diese Chinesin zwei große Schüsseln, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug.

Eine der Schüsseln hatte einen Sprung,
während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste.

Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau
war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich:
die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause.

Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung,
aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels
und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen,
sprach die Schüssel zu der alten Frau:

“Ich schäme mich so wegen meines Sprungs,
aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.”

Die alte Frau lächelte.
“Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen,
aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?

Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät,
weil ich mir deines Fehlers bewusst war.
Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen.

Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken.

Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist,
würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.”

Scheint ganz so, als hat jeder von uns seine ganz eigenen Macken und Fehler.  Das genau ist es, was das Leben so interessant und lohnenswert macht, auch wenn´s manchmal nervt.

Gut ist, jede Person so nehmen zu können, wie sie ist und das Gute in ihr wahrzunehmen. Sich selbst Zeit lassen für Wertschätzung hilft dabei sehr.

Nicht immer gleich sofort aburteilen, neugierig bleiben, immerhin könnte es ja auch alles ganz anders sein, wenn man es mal umfassender betrachtete.

Also > an all meine Freunde mit einem Sprung in der Schüssel :-),

habt einen fantastischen Tag und für die Kölner unter Euch: immerhin ist heute der 11.11., Brauchtumspflege ist angesagt! Jeder Jeck is anders.

Achtet doch mal wieder darauf, die Blumen, die Euren Weg säumen, gerade dadurch, dass Ihr so menschlich seid, eigens zu genießen.

Herzliche Grüße, Manuela Dillenburg-Lux

…die dunkle Seite im Märchen

Samstag, den 24. Januar 2009

Unzählige Hindernisse sind für den Märchenhelden zu überwinden.

In die Märchenwelt einladen lassen wir uns natürlich nur, wenn wir Lust haben, dem Helden zu folgen. Und nur dann, wenn uns unser Beweggrund deutlich ist, gehen wir emotional mit. Um uns auf den Weg machen zu wollen, müssen wir uns mit allem, was wir in uns selbst an Erlebnisinhalten gesammelt haben, willkommen fühlen.  Und wenn wir den Helden dann noch ein bisschen sympatisch finden und er es uns ein bisschen spannend machen kann, mitzugehen, dann folgen wir ihm auf seinem Weg bereitwillig. 

Befindlich auf diesem geschützen Beobachterposten, machen wir dann lustvoll Erfahrungen, die uns wichtig sind. Mit unserem Helden erleben wir das Böse und die damit verbundenen Gefahren aus einer, für uns selbst angemessenen, Distanz.

Dabei teilen wir, soweit wir wollen, die Angst mit dem Helden. Wir teilen mit - und auf diese einzigartige Weise können wir unser Kraftfeld der Gefühle als Ganzes wahrnehmen. Gespiegelt werden uns Gefühle, die für uns Menschen wesentlich sind: Liebe, Aggression, Hass, Eifersucht, Neid Mitgefühl, Habgier und Großzügigkeit. Wir erleben die Spannung , die in uns wirklich werden kann. Jedoch niemals so, dass sie wir tatsächlich an Leib-Seele-Geist verletzt werden.

Wir werden ganz im Gegenteil wahrnehmen, dass es eine aktivierende Spannung in einem Feld zwischen positiven und negativen Gefühlen in uns gibt.

In der Mitte ist eine HABSELIGKEIT erfahrbar. Sie ist wirklich mit Märchen - unsere Schöpferkraft.

So zeigt sich die Märchenwelt als das, was sie ist:  eine reiche Quelle in uns, aus der die wesentlichen Bedürfnisse, Triebe, Gefühle sprudeln.

In der Realität verhaftet, wie wir als vernunftgesteuerte Erwachsene notwendigerweise sind, versuchen wir diese Gefühls - Unterwelt von Kindern fernzuhalten. Aggression, Sexualität, Hass und Eifersucht, das Märchen hält eine breite Projektionsfläche für alle menschlichen Emotionen bereit.

Genial!finde ich.

…und eines Tages…..

Donnerstag, den 11. Dezember 2008

“Hab doch Geduld. Die dunkelste Stunde ist immer die vor Sonnenaufgang.”

Märchen beschreiben häufig eine wichtige Passage im Leben der zentralen Figur:

Meist handelt es sich dabei um einen wichtigen Entwicklungsschritt, oder eine regelrechte Metamorphose.

Dornröschen zum Beispiel schläft 1000 Jahre, bevor sie vom Traumprinzen wachgeküsst wird. Rotkäppchen wird vom bösen Wolf gefressen, um bald darauf aus dessen Bauch befreit zu werden……

Es sind dies symbolische Wiedergeburten. In solchen bildhaften Wiedergeburten sehen wir die Hoffnung gespiegelt, unsere innere Kraft, die es vermag uns in die Zukunft zu übertragen, gedanklich. Aus jeder Etappe treten wir noch stärker und klüger hervor.

Das Schöne träumen ist wirklich, wie eine Art passives Training.

Wunder gibt es immer wieder…

Donnerstag, den 27. November 2008

pa232010.JPG… im Märchen

 

öffnen  „es war einmal…“ und schließen „so leben sie noch heute“  die Tore zum Fantastischen.

Signale dafür, dass man nun in  eine Welt voller Wunder eintritt.

 

Ein Universum, in dem die Regeln der Realität nicht mehr gelten.

Diese Brüche mit der gewohnten Wirklichkeit setzen starke Emotionen frei: Gefühle des Staunens, des Verzaubertseins, aber auch der Angst – Gemütsbewegungen kommen in Schwung. Auf eine Weise, wird ein völlig anderes Erleben möglich. Das innere Empfinden wird angeregt, wie dies realistische Darstellungen nicht bewirken können. Wachsen bedeutet auch, den inneren Reichtum der eigenen Persönlichkeit zu erforschen und zu entwickeln. Daher ist die Welt des Phantastischen wichtig für Kinder. 

Aber auch für uns Erwachsene ist es heute von großer Bedeutung. Denn so sehr, wie unsere Wahrnehmungen geprägt sind, vom digitalen Angebot unserer Umwelt, fehlt uns die natürliche sinnliche Balance, der Blick nach Innen. Wir gewinnen Sicherheit in der Selbstwahrnehmung durch das Nachspüren in unserer Innenwelt. Die Phantasiereisen mit Märchen können dabei eine große Hilfe sein.

Mit den flächigen Bildern und freizügigen Analogien der Märchen trainieren wir unser ganzheitlich sinnliches Erleben wieder.

Es tut einfach gut, sich den inneren Vorstellungen hinzugeben und auf Phantasiereisen zu gehen.Versuchen Sie es mal wieder. Es gibt so schöne Märchen, gerade für Erwachsene.

Märchen sind nicht für Kinder gemacht. Märchen klingeln an unserer Tür und fragen mit großen Augen das Kind in uns:  “Kommst du raus zum Spielen?”…………

Im Märchen scheint nicht immer die Sonne

Donnerstag, den 27. November 2008

Laster und Tugenden

Die Hindernisse, die die Helden zu überwinden haben, sind unzählig. Indem wir uns mit ihnen identifizieren, machen wir wichtige Erfahrungen mit dem Bösen und den damit verbundenen Gefahren. Wir teilen mit dem Helden dessen Angst und können so auch unsere eigenen negativen Gefühle veräußerlichen.

Die Märchenwelt ist eine reiche Quelle für all jene Bedürfnisse, Triebe, Gefühle, die unsere Eltern vorsorglich von uns fernzuhalten versucht haben. Aggression, Sexualität, Hass, Neid, Eifersucht, alles Menschenmögliche erhält mittels Märchen einen Raum.

 

Märchen bieten uns eine Welt, in der wir uns gefahrlos sachkundig machen können, über das Potential was in uns Menschen schlummert. Dabei wird es uns möglich Verhältnismäßigkeiten der Kräfte risikolos zu erfahren. Wir können ein Kraftgefühl entwickleln und die Spannung zwischen Kraftpolen einschätzen. Die Fähigkeit Spannungsverhältnisse selbst einschätzen zu können ist wichtig, damit ”Vorsicht” für uns zum Begriff wird und wir trotzdem immer noch genug Mut für unsere Lebensbewegungen behalten.

Wie Dornröschen tickt…

Donnerstag, den 20. November 2008

wenn man Bruno Bettelheim fragen würde…- auch er schaut sich die Funktion von Märchen als Lernmedium an - …

Symbolgehalt…

Während Selbstfindungen in vielen Märchen erst durch das Lösen schwieriger Aufgaben und das Überwinden zahlreicher Hindernisse möglich wird, so findet die Identitätssuche Dornröschens vielmehr durch einen Rückzug auf sich selbst statt. Dieses Märchen zeigt deutlich, dass man sich niemals völlig vor Gefahren schützen kann. Der tiefe Schlaf als todesähnlicher Zustand symbolisiert dabei die Flucht vor dem Unvorhersehbaren und deren Konsequenz, am Leben vorbeizuleben. Selbst negative Ereignisse können im Endeffekt ihr Gutes haben, indem sie Brüche hervorrufen, die uns dem Glück ein Stück näher bringen. Wie heißt es so schön  am Ende eines jeden Märchens “und sie lebten vergnügt bis an ihr Lebensende”

Ansichtssache…

Dieses Märchen vermittelt dem Kind, wie wichtig es ist, sein Leben in die Hand zu nehmen und auch Risiken einzugehen. Dornröschen schläft nicht für immer und das Aufwachen bedeutet für sie nicht nur das Ende ihrer Kindheit, sondern auch einen Neubeginn auf höherer Stufe.pa232026.JPG

Märchen - meine Liebe

Mittwoch, den 19. November 2008

Inneres Erleben, wie ist das im Märchen dargestellt?

Kinder sehen die Welt in Schwarz -Weiß.

Polarität

Das Gute und das Böse, die Freundlichen und die Bösen.

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Märchen bewahren eine solche Einteilung durch ihre malerische Symbolik, durch die Einfachheit der Charakter. Märchen sind so schön plakativ. Eine wundervolle Leinwand für mich.

 

Und gut, dass am Ende bestraft wird, wer Unheil gestiftet hat. Gut, dass belohnt wird, wer sich ohne Schuld und Tadel verhalten hat. Im Märchen finde ich Gerechtigkeit.

Mit wenigen Worten erscheint für mich im Märchen die Möglichkeit. In den phantastischen Bildern des Märchens kann ich mein Erleben erkennen.

Märchen als Spiegel meiner inneren Wirklichkeit. Wie auch immer ich meine Gefühle wahrnehme, Märchen lassen mir die  Freiheit und Raum für all meine Ideen und Vorstellungen . Märchen sind von unschätzbarer Kostbarkeit, eine Quelle der menschlichen Schöpferkraft. Märchen sind ein Ort für Entwicklung. Hier ist mein Labor. Hier kann ich erkennen, was mich ausmacht. Hier kann ich etwas über das Wesentliche des Menschseins erfahren. Hier erlebe ich meine immerfließende Schöpferkraft. 

Das Märchen deutet deine Empfindungen nicht. Im Märchen bin ich mit allem eins - allein.

Und weil das so kostbar ist, erfordert es eine taktvolle, liebevolle, wertschätzende, reife Behutsamkeit beim Märchenerzählen.

Als Menschenrechtler finde ich dann auch folgerichtig solche Leute fies, die Märchen in Ihren speziellen Kontext setzen und dann hergehen und als große Theorie Ihre ”allgemeingültige” Deutung unter das Volk psychologisieren. Pfui!!! Teufel!!! Im Märchen selbst werden solche Übeltäter aus dem Dorf getrieben. :-) Und das gehört auch so, wenn Sie mich fragen.

Mehr über meine Liebe zu Märchen….Fortsetzung folgt!