Negaholismus nimmt…
Mittwoch, den 30. Juni 2010In unserer Gesellschaft verbreitet sich zunehmend eine besondere einseitige Art das Leben wahrzunehmen: die Suche nach allem Negativen. Inzwischen hat diese Sucht einen Namen, “Negaholismus”.
Wie bei jeder Sucht, sind wir nach der besonderen Wirkung des Suchtverhaltens süchtig.
Hier liegt das Potenzial in der Einbildung: “Wenn ich das Schlimmste erahne, dann kann ich nur vom Guten überrascht werden”.
Diese Sinnestäuschung führt zu einer Reihe gefährlicher Trugschlüsse. Es entsteht eine Einstellung, die den Blick für die Realität verklärt.
Letztlich bin ich durch diese andauernde Suchthaltung ungeübt mit allen Sinnen Erfahrungen zuzulassen. Infolge werde ich zunehmend unfähiger das Gute überhaupt noch im Moment seines Erscheinens wahrzunehmen…ein Teufelskreis.
Auch ökonomisch. Denn hier sind interessante Zusammenhänge festzustellen. Eine Gesellschaft, die Negaholismus fördert, verfolgt mit guten Gewinnen auf mannigfaltigen Gebieten diese Nachfrage. Und so entwickelt man entsprechend Angebote, die noch mehr Jiiiiper auf mehr “Konsum” und Bestätigung der “Richtigkeit der negativen Erwartungshaltung” machen.
Ein Blick in die vermeintlichen “Abhilfen” zeigt anschaulich, wie gut das Geschäft mit der Angst, dem Schrecken und dem schlechten Gewissen läuft: Versicherung, Putzmittel, Mittelchen gegen Wechseljahrsbeschwerden, Tropfen gegen nächtlichen Harndrang, Fresserchen für das vernachlässigte Haustier….
Und obwohl wir alle diese Liste beliebig fortsetzen könnten und das alles irgendwie wissen, jammern und lamentieren wir trotzdem mit und haben irgendwie meistens einen neben uns gehen, der uns zutextet, ob es nun das schlechte Gewissen oder irgendwie eine Angst im Nacken ist, die uns beschleicht.
Wir sind kaum mehr in der Lage unser Leben wahrzunehmen, ohne zugleich darüber zu urteilen.
Doch genau das wäre das Verfahren, welches die Leichtigkeit des Seins ermöglicht: achtsam ungerichtet wahrnehmen - gegenwärtig sein und bleiben - die Fähigkeit wiederentwickeln, seine Wahrnehmungen von seinen Beurteilungen zu unterscheiden.
Was wirklich abhilft und aus dem Teufelskreis des negativen Denkens herausführt, ist, sich immer wieder bewußt zu machen, was diese ”Negativ-Kultur” dauerhaft mit unserem Gehirn und Körper anstellt.
Hier nur ein kleiner Ausschnitt der Folgen des Negaholismus…
Negative Emotionen rauben uns Energien.
Hauptenergiefresser sind Angst, Ärger und Schuldgefühle.
Besser ist es, den Umgang mit diesen Emotionen zu lernen, als sie unterdrücken zu wollen. Es ist nicht gut, diese Emotionen vollständig loswerden zu wollen. Achtsamkeit, Bewusstheit und die Selbststeuerung des Denkens und Verhaltens führt zum Frieden und positiver Resonanz und dies wiederum fördert die heiterere Gelassenheit.
Eine Gesellschaft, die den Negaholismus fördert, also die Nachfrage nach negativen Gefühlen und Gedanken fördert und demgegenüber eine absolute Glückseeligkeit verspricht, wenn man dieses oder jenes Produkt kauft…
…wenn ich dies einmal bedenke und mir genüßlich zu Gemüte führe, dann führt mich das über meine Wut, dass mir da jemand mein hart verdientes Geld aus der Tasche leiern will, hin zu einer echten Lachnummer. Und das macht in der Tat heiter.
Das Leben hat viele Facetten. Ich halte es mit Wilhelm Busch: Mach es wie die Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur.
Die Natur zeigt es sehr anschaulich. Wo viel Schatten, da viel Licht. Werden und Vergehen und wieder Werden. Und dazwischen jede Menge Wunder des Lebens.
In diesem Sinne, liebe Grüße aus Hürth an den Rest der habseligen Welt,
Ich bin zu Frieden:-) Manuela Dillenburg-Lux