Archiv der Kategorie ‘WUNDERTÜTE‘

Gut dran

Donnerstag, den 29. Juli 2010

 ist, wer Humor hat.

[H]umor lat. heißt Feuchtigkeit, im Sinne des richtigen Gemisches der Körpersäfte, das zu einer guten Stimmung verhilft.

Menschen, die die lustigen Dinge einer Situation wahrnehmen können und dies dann auch auf eine Weise zum Ausdruck bringen, die erheiternd wirkt, haben Humor, so sagt man.

Psychologisch kann sich ein solcher Mensch emotional distanzieren. Während das Weinen annähert, ist das Lachen, sozialpsychologisch betrachtet, in einer Weise wirksam, die eher distanziert.

Wohl dem, dem die rechte Mischung gelingt.

Lachen ist manchmal eben die beste Medizin. 

 

Schwi…mmen, schwi…mmen, schwi…mmen…

Samstag, den 17. April 2010

Das Meer, in dem ich schwimme, ist Teil eines unendlichen Ozeans. Ich schwimme darin. Ich bin glücklich, das zu wissen und zufrieden. Ich bin dankbar für alles Gute. Dafür, dass die Zweifel am Lebensprozess immer weniger waren, als meine Hoffnung, bin ich dankbar. Dafür, dass man mich lernen ließ, Angst zu überwinden, frei zu sein, mutig weiterzuschwimmen, danke.
Ich schwimme nicht allein. Ich wähle, dass nicht Zweifel und Pessimismus, sondern Glaube, Begeisterung meine Begleiter sein mögen. Ich kämpfe nicht und ich verfalle nicht der Panik. Von solchen Irrlichtern lasse ich ab und bin gelassen. Kompliziert war gestern. Jetzt mache ich es einfach! Schwimmen.

Ich wünsche allen ein wunderschönes Wochenende,
Manuela Dillenburg-Lux

Adler steigen keine Treppen

Dienstag, den 12. Mai 2009

 

Der Pädagoge hatte seine Methoden aufs genauste ausgearbeitet;

er hatte - so sagte er - ganz wissenschaftlich die Treppe gebaut,

die zu den verschiedenen Etagen des Wissens führt; mit vielen

Versuchen hatte er die Höhe der Stufen ermittelt, um sie der normalen

Leistungsfähigkeit kindlicher Beine anzupassen; da und dort hatte er

einen Treppenabsatz zum Atemholen eingebaut und an einem bequemen

Geländer konnten die Anfänger sich festhalten.
Und wie er fluchte, dieser Pädagoge! Nicht etwa auf die Treppe, die ja

offensichtlich mit Klugheit ersonnen und erbaut worden war, sondern auf die Kinder, die kein Gefühl für seine Fürsorge zu haben schienen.

Er fluchte aus folgendem Grund: solange er dabei stand, um die methodische Nutzung dieser Treppe zu beobachten, wie Stufe um Stufe emporgeschritten wurde, an den Absätzen ausgeruht und sich an dem Geländer festgehalten wurde, da lief alles ganz normal ab. Aber kaum war er für einen Augenblick nicht da: sofort herrschten Chaos und Katastrophe! Nur diejenigen, die von der Schule schon genügend autoritär geprägt waren, stiegen methodisch Stufe um Stufe, sich am Geländer festhaltend, auf dem Absatz verschnaufend, weiter die Treppe hoch - wie Schäferhunde, die ihr Leben lang darauf dressiert wurden, passiv ihrem Herrn zu gehorchen, und die es aufgegeben haben, ihrem Hunderhythmus zu folgen, der durch Dickichte bricht und Pfade überschreitet.

Die Kinderhorde besann sich auf ihre Instinkte und fand ihre Bedürfnisse wieder: eines bezwang die Treppe genial auf allen Vieren; ein anderes nahm mit Schwung zwei Stufen auf einmal und ließ die Absätze aus; es gab sogar welche, die versuchten, rückwärts die Treppe hinaufzusteigen und die es darin wirklich zu einer gewissen Meisterschaft brachten.

Die meisten aber fanden - und das ist ein nicht zu fassendes Paradoxon - daß die Treppe ihnen zu wenig Abenteuer und Reize bot. Sie rasten um das Haus, kletterten die Regenrinne hoch, stiegen über die Balustraden und erreichten das Dach in einer Rekordzeit, besser und schneller als über die sogenannte methodische Treppe; einmal oben angelangt, rutschten sie das Treppengeländer runter… um den abenteuerlichen Aufstieg noch einmal zu wagen. Der Pädagoge macht Jagd auf die Personen, die sich weigern, die von ihm für normal gehaltenen Wege zu benutzen. Hat er sich wohl einmal gefragt, ob nicht zufällig seine Wissenschaft von der Treppe eine falsche Wissenschaft sein könnte, und ob es nicht schnellere und zuträglichere Wege gäbe, auf denen auch gehüpft und gesprungen werden könnte; ob es nicht, nach dem Bild Victor Hugos, eine Pädagogik für Adler geben könnte, die keine Treppen steigen, um nach oben zu kommen?

 

aus: Célestin Freinet: Die Sprüche des Mathieu (Les dits de Mathieu ), 1967
nachgedruckt in: Jochen Hering und Walter Hövel (Hrsg.). Immer noch der Zeit voraus. Kindheit,  Schule und Gesellschaft aus dem Blickwinkel der Freinet-Pädagogik. Pädagogik-Kooperative e.V. (jetzt Freinet-Kooperative e.V.), Bremen, 2. Auflage 1999.