Archiv der Kategorie ‘BIOGRAPHIEFORSCHUNG‘

Kennst du das auch?

Donnerstag, den 2. September 2010

Kennst du das auch, dass manches mal
Inmitten einer lauten Lust,
Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
Du plötzlich schweigen und hinweggehen mußt?

Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
Wie Einer, den plötzlich Heimweh traf;
Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
Du weinst, ohne Halt - Kennst du das auch?

von Hermann Hesse

Etwas hinter sich lassen

Montag, den 12. Oktober 2009

                        

Erfahrung ist wie eine Laterne
im Rücken:
Sie beleuchtet immer nur
das Stück des Weges,
das wir bereits hinter uns haben.

- Konfuzius -

Meine Werte, Deine Werte

Mittwoch, den 19. November 2008

Der Psychoanalytiker und Autor Wolfgang Schmidbauer schrieb  diesen Aufsatz vor einigen Jahren in seiner Kolumne…..

“Als ich mich vor 26 Jahren scheiden lassen wollte, musste ich es irgendwann auch meiner Mutter sagen. Sie riet mir energisch ab ab. Wer heiratet, muss sich vorher überlegen, auf was er sich einlässt. Es geht nicht an, eine Ehe aufzulösen. „Du musst dich zusammennehmen und die Sache durchstehen!” Als ob ich mir das nicht selbst schon hundertmal gesagt hätte! Es ging mir auf die Nerven. Ich hatte genug Probleme. Ein Psychologe soll sich nicht scheiden lassen. Wozu ist er Experte für die Lösung emotionaler Konflikte?
Schliesslich sagte ich gereizt: “Du hast ja keine Ahnung. Wie lange warst du eigentlich verheiratet? Wie lange hast du mit Vater zusammengelebt? Ich habe mehr Eheerfahrung als du, also rede mir nicht drein!”
Ihre Reaktion rechne ich ihr noch heute hoch an. Sie schwieg, überlegte, sagte dann nachdenklich: “Eigentlich hast du recht. Ich habe wirklich nicht viel Erfahrung damit.” Meine Eltern haben 1938 geheiratet; 1939 wurde mein Vater eingezogen, 1944 ist er gefallen. Meine Mutter hat später nicht mehr geheiratet; sie behauptete, es habe sich kein passender Mann gefunden. Tatsächlich gab es nach dem Krieg viele Witwen und wenige Männer, die für eine geistig anspruchsvolle Frau mit zwei Söhnen genügend Aufmerksamkeit, Geduld und Ausdauer mitbrachten. Eine Witwe war Herrin über ihren Haushalt; eine verheiratete Frau damals nicht.
Wer sich beruflich damit beschäftigt, was alles in Beziehungen scheitern kann, kommt nicht darum herum, sich über die eigene Elternbeziehung Gedanken zu machen. Eine Gelegenheit dazu ist die Lehranalyse. Aber damals war ich jung und suchte in mir oft nach dem, was die Theorie erwarten liess. Heute glaube ich, dass ich am meisten aus dem ständigen Vergleich zwischen meiner eigenen Entwicklung und der jener Menschen gelernt habe, die sich mir anvertrauen. Je länger ich zuhörte und abwechselnd auf mich und auf andere schaute, desto besser konnte ich auf jene festen Vorstellungen über die richtige Beziehung und die gute Ehe verzichten, die mich an meiner Mutter empört hatten, von denen ich selbst aber auch alles andere als frei war. Wichtiger in Beziehungen wurde mir etwas ist wie ein freier Raum, in dem nicht Werte gesetzt, sondern Geschichten erzählt werden. Wir meinen viel zu oft, Gutes zu tun, wenn wir ein Gegenüber mit Werturteilen verproviantieren, meist ohne uns zu fragen, ob der Beratene nicht schon viele solche Meinungskonserven mit sich schleppt.
Die Reaktion meiner Mutter auf meinen Protest ist ein Beispiel für diese Offenheit. Ich hatte ihr die Sohnesrolle verweigert und mich als Erwachsener in die Brust geworfen. Sie überlegte vielleicht kurz, ob sie sich auch in die Brust werfen, auf ihrem höheren Alter beharren sollte. Dann liess sie es sein. Der Junge sollte auch einmal rechthaben. Sein Argument konnte stehen bleiben. Kinder sind selten so, wie sie sich ihre Eltern gewünscht haben - und Eltern ebensowenig so, wie sie sich Kinder wünschen. Aber die Menschheit würde aussterben, wenn wir die Illusion vollständig aufgeben müssten, dass doch etwas von dem, was uns kostbar ist, in unseren Kindern weiterlebt. Die schwindende Bereitschaft, Kinder zu bekommen, hängt sicher auch zum Teil damit zusammen, dass uns die Aussichtslosigkeit von Erwartungen, genau die richtigen Kinder zu haben, deutlicher geworden ist. So denkt der Vater, der sich Gymnasium und Studium erkämpfen musste, sein Sohn wäre glücklich und dankbar, wenn er ihm den Weg in eine akademische Laufbahn ebnet. Aber der Sohn zieht es vor, sich als Punk zu gebärden und nicht auf seine Noten, sondern seine Piercings stolz zu sein. Die Werte eines Aufsteigers und eines Punks sind unvereinbar.

Wenn jetzt der Vater darauf beharrt, seinem Sohn zu sagen, was richtig ist - und der Sohn umgekehrt den Vater ignoriert oder als Spiesser entwertet, dann scheitert die Beziehung zwischen beiden. Sie haben keinen Raum gefunden, in dem sie die Werte zurückstellen und sich gegenseitig Geschichten erzählen können. Denn einen Punk im Haus zu haben, der aus seinem Leben erzählt, kann sehr interessant sein - ebenso wie es das Leben eines Aufsteigers ist, der sich mit diversen Jobs jenes Studium finanzierte, das der Punk gänzlich unattraktiv findet.
Ein beliebtes Sprichwort behauptet, Kinder seien Gäste, die uns nach dem Weg fragen. Auf die realen Konflikte der Elternschaft bereiten uns solche schönen Sätze wenig vor. Und wenn sie uns gar nicht fragen? Sollen wir mit unserem/ ihrem Weg hinter ihnen herlaufen, wie mit einem vergessenen Pausebrot? Und was passiert, wenn wir den Weg gar nicht wissen? Denn genau das dürfte viel öfter der Fall sein, als wir es uns träumen lassen. Als ich beispielsweise fertig studiert hatte, fürchtete ich mich vor allem vor einem: dass ich zu schnell in eine feste Anstellung geraten könnte. Aus diesem Grund beschloss ich, nach Italien zu gehen und zu schreiben. Angesichts der Probleme meiner Kinder, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden, rate ich eifrig zu festen Anstellungen. Aber ich habe davon im Grunde noch weniger Ahnung als meine Mutter von der Ehe.
Wir alle raten meist nicht, weil wir wirklich besser Bescheid wissen, und sehr häufig sagen wir im Streben nach gutem Rat Dinge, die unser (rat)geschlagenes Opfer längst weiss - etwa dass man mit Magenschmerzen einen Arzt, mit Depressionen einen Psychotherapeuten aufsuchen sollte, dass Rauchen ungesund und ein Übermass an Alkohol schädlich, rote Ampeln, Lehrer und Vorgesetzte zu respektieren sind. „Fahr vorsichtig! Pass auf dich auf! Machs gut!” Meist ist das Ganze weder inhaltsreich noch gänzlich sinnlos. Vielleicht sollten wir ein soziales Schmiermittel darin sehen, eine gegenseitige, Geborgenheit stiftende Versicherung des banalen Kerns der sozialen Wirklichkeit, der Kultur, des Lebens. Wenn uns aber ein Mensch wichtig ist und uns an einem tieferen Kontakt etwas liegt, dann ist guter Rat nicht mehr so billig. Er kostet ein wenig Einfühlung, Mühe um Kreativität, Verzicht auf das aus der Hüfte geschossene Urteil. Vielleicht sollten wir lieber schweigen, als in die Kiste fertiger Güter zu greifen. Oder warten, bis uns eine Geschichte einfällt.”

Wem bereits als Kind die eigene Mitte ausgeredet wurde

Samstag, den 1. November 2008

Wem bereits als Kind die eigene Mitte ausgeredet wurde, hat die Selbstverständlichkeit, seinen eigenen Gefühlen und Empfinden zu vertrauen, nie kennen gelernt.
Es gibt Kinder denen ihre eigene Traurigkeit ausgeredet wird.
Je nach Familienideologie.
In gewissen Familien ist es verpönt, traurig oder nachdenklich zu sein.
Genauso gibt es auch das Gegenteil.
Vor allem in betont religiösen Familien, die sich besonders starr an kirchliche Dogmen halten, läßt sich eine eigenartige Abwehr von Gefühlen der Freude und des Beschwingtseins feststellen.
Wenn Kinder aus solchen Familien übermütig sind, weil sie sich einfach an ihrem Leben freuen und ihnen das Herz im Leibe hüpft, dann wird das GlücksEmpfinden mit einer schwerwiegenden Mahnung belegt:
„Nach dem Lächlein gibt’s ein Bächlein.“
Dieses von außen an das Kind gerichtete Diktat hat verheerende Folgen.
Es führt dazu, daß die unterschiedlichen Stimmungen, die nun mal zum Alltag gehören, nicht wahrgenommen werden dürfen, geschweige den explizit / offensichtlich zum Ausdruck gebracht werden können.
So verlernen Kinder, ihren eigenen Gefühlen und Empfinden zu vertrauen, sie orientieren sich nach außen, versuchen herauszufinden, welche Gefühle denn erlaubt und erwünscht sind.
Es ist also nicht verwunderlich, wenn wir dann als erwachsene Menschen nicht mehr genau wissen, was oben und unten ist, was wir fühlen, was wir tun oder lassen wollen.
Die Orientierung an dem ganz Eigenen geht verloren, und das hat schwerwiegende Folgen.
Wenn es uns nicht gelingt, uns wieder in uns selbst zu orientieren, ist der Weg zu unserem ureigensten Wissen verstellt.
Jegliches Geschöpf – wozu auch das MenschenKind gehört – trägt sowohl ein tiefes Urwissen der belebenden, inspirierenden WesensNatur als auch persönliche Erkenntnisse in sich, da unser gesamtes körperliches Entwicklungsprogramm als auch der Plan individueller Selbstentfaltung in uns angelegt ist.
Und wie jede Pflanze in ihrem Samen die Information für ihre zukünftige Entwicklung enthält, so hat auch der Mensch seine ganz individuellen Anlagen / Fähigkeiten.
Eine Tulpe wird zur Tulpe.
Eine Nelke zur Nelke.
Sie muß nicht darum ringen und herausknobeln, wo es langgeht.
Sie entfaltet sich einfach so, wie die Schöpfung es für sie vorgesehen hat.
Das menschliche Wesen aber muß noch etwas dazu tun:
Es muß zuerst herausspüren, welche Begabungen und Fähigkeiten in ihm angelegt sind.
Und dann muß es die Verantwortung dafür übernehmen, daß sich die Anlagen entfalten können.
Der Mensch muß also seinen Willen kundtun und sein Einverständnis dafür geben, daß sich alles entfalten kann, was als Anlage im Lebenskeim vorhanden und ihm gemäß / entsprechend ist!
Es gibt im menschlichen Leben wohl keine größere Kränkung, als wenn die angelegten, angeborenen, mitgebrachten wesensnatürlichen Begabungen und geistigen Fähigkeiten nicht zur Entfaltung / Ansicht gelangen können!

Um aber herauszuspüren, wohin wir uns entwickeln und entfalten wollen, müssen wir einen direkten Zugang
zu diesem in uns angelegten Programm oder Plan haben.
Und dies ist nur möglich, wenn wir innigen Kontakt und starke Verbindung zu unserer eigenen inneren Mitte spüren.
Deshalb ist es so wichtig, wieder eine Vertrauensbasis zu unseren Gefühlen und ureigenem Empfinden herzustellen und sie nicht ständig anzuzweifeln und sowohl sie als auch uns selber damit in Frage zu stellen.
Es ist der Nährboden, auf dem Selbstvertrauen entsteht.
Schließlich ist dies auch ein Bündnis mit uns selbst, uns unverbrüchlich die Treue zu halten.
Ein Treuebruch gegen sich selbst ist der wirklich einzige Bruch, der sich verheerend auswirkt und unter allen Umständen vermieden werden sollte.

Wachstumsfördernde Beziehungen zeichnen sich darin aus, daß wir das Gefühl haben: Hier kann ich nichts falsch machen.

(Quelle: Julia Onken / Herrin im eigenen Haus)

Hallo harter Kern

Freitag, den 31. Oktober 2008

das ist ja wirklich mal ein interessanter Gedanke, dass man in das andere Extrem verfällt, wenn man zu sehr im Stress ist. Ich kann das nur bestätigen, genau in der Weise, in der Du es beschreibst. Ebenfalls aus Zeiten, als ich alleinerziehend war. Danke, für diesen guten Impuls. Ich muss darüber im Zusammenhang mit meiner derzeitigen Befindlichkeit noch eingehender nachdenken. Ich glaube aber jetzt schon, dass es auch da passt. Es scheint ein immer wiederkehrendes Muster zu sein. Manchmal verhalte auch ich mich so, gerade in Situationen, in denen mit Zeit und Raum mit vielen Verantwortungen gefüllt sind.

Ob das Trotz ist ? Gesunder Trotz? Bei mir hat es vielleicht etwas mit den Übergängen von einer in die nächste Phase zu tun. Und meinen Befürchtungen, die dabei klar werden. Also dem, was ich alles meine bedenken zu müssen, weil es sonst keiner tut. Meine Erfahrung! Wie auch Immandra schon sagte, habe ich auch schon Menschen getroffen, die sich damit leichter tun. Oder, tun die nur so, als ob die sich damit leichter tun?Diese habe ich mal gefragt, warum das so sei? Und dann hörte ich verschiedenes von verschiedenen Menschen, verschiedenen Geschlechts.

Von manchenhörte ich, dass man sich nicht so “verrückt” mache, wie ich. Interessant, nicht wahr?

Gerda sagt, mein Mann sagt das gerne immer wieder. “Mach du dich doch nicht immer selbst so verrückt!” Ist das nicht spannend?
“”Manchmal denke ich, der hat gut reden”, sagt Gerda und dann sagt Sie, “manchmal denke ich allerdings, dass er recht hat.”

“Das erschreckt mich aber jetzt” , sage ich dann.

In der Tat, manchmal finde und empfinde ich das auch verrückt- auseinandergerückt und verschoben (durch meine eigenes Denken), was eigentlich zusammengehört, ich meine meine Seele, mein Ich, oder wie denkst du dir das?

Aber sagen tue ich das nicht, ich sage immer, dass ich so viele Baustellen in meinem Leben habe, die alle zu bearbeiten sind…bla bla bla

Ich bin davon überzeugt es braucht Ruhe, Muße, eine hochwertig zu nutzende Zeit, sich mit allem eins zu fühlen - alleins - allein! Manchmal muss ich allein sein. Nicht viel und nicht lange, aber im vollen Wert. Das hilft mir. Ich versuche also an jedem Tag auch mal in dieser Weise allein zu sein. Das war am Anfang sehr schwierig für mich. Inzwischen habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht. Und neuerdings versuche ich auch in jedem Zusammentreffen mit anderen mal allein zu sein. Der Unterton, dass ich egoistisch sei, fällt mir allerdings dabei immer noch ein - ist das wohl ein Erziehungsschaden?

Hört sich das jetzt vielleicht missverständlich an? Ich bin mir meiner persönlichen Ausrichtung bewusst geworden. Und nun versuche ich die Balance in eine andere Richtung zu verschieben.

Es gibt wohl Menschen, die bleiben mehr bei sich.
Ich bin scheinbar zu einem anderen Verhalten erzogen. Manyways hat hier im Forum sehr ausführlich etwas geschrieben. Darin fand ich mich sehr wieder. Es ging um das “gut zu sich selbst Sein” und darum, wie schief es sich anfühlt, wenn die Selbst - Bewertung durch das Messen an fremden Ansprüchen erfolgt.

Ich meine, wir leben in hektischen Zeiten und es ist nicht leicht, sich dem Druck von aussen zu erwehren, für niemanden. Daher potenziert sich der Druck für alle in die Höhe. Es sei denn, man ist bereit einen Weg zu gehen, der nicht der Weg der breiten Masse ist. Nicht wahr, Utemi?

Daher meine Überzeugung: Es ist notwendig, die Balance durch einen Schritt in Richtung auf einen regelmässigen, liebevollen Umgang mit der eigenen Seele wieder herzustellen.

Marité